Lektion 1: Von A nach B kommen

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Grundsätzliches zur Navigation mit dem iPhone

Auch wenn die Navigationssoftware immer besser wird, ist sie im Moment noch nicht soweit, dass du dich alleine auf sie verlassen kannst. Viele Navigationsprogramme funktionieren für die Routenplanung mit dem Auto schon sehr gut. Was die Unterstützung für Fußgänger betrifft, sind die Programme noch ausbaufähig. Es gibt aus unserer Sicht kein Programm, das man derzeit uneingeschränkt empfehlen kann und das dich auf bestem Wege zu Fuße von einem Punkt zum anderen bringt.


Warum ist es aber trotzdem sinnvoll sich damit zu beschäftigen?

Wie immer im Leben gibt es eigentlich nie schwarz oder weiß, sondern es sind meist die Grautöne. Und auch wenn es bei der Navigationssoftware keine absolute Empfehlung gibt, ist es in der einzelnen Situation vielleicht doch hilfreich zu wissen, welche App dir erste Informationen zur Orientierung bietet.


Es ist eine Frage der Alternativen. Wenn du jemanden hast, den du fragen kannst, brauchst du im Zweifel keine App. Auf der anderen Seite woher weißt du, ob die Wegbeschreibung, die du gerade erhalten hast, stimmt.


Wir zeigen dir verschiedene Apps und benennen ihre Vorteile und auch ihre Grenzen. So erhältst du ein erstes Bild, wie du sie in deinem Alltag einsetzen könntest. Und wir maßen uns nicht an zu bestimmen, ob die Anwendung für dich in deinem Alltag sinnvoll ist oder nicht. Das herauszufinden ist deine Aufgabe.

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Die App Karten

Die Karten-App von Apple ist auf jedem iPhone von Haus aus installiert. Du kannst sie mit Siri öffnen, indem du sagst: "Hey Siri, öffne Karten". Wenn du möchtest kannst du auch eine Navigation direkt mit Siri starten. Sage zum Beispiel „Hey Siri, navigiere nach Fallgatter 3 in Dortmund“, um eine Navigation zu Audiofaktur zu beginnen. Über die Schaltflächen unten am Bildschirm kannst du dann auswählen, wie du dich fortbewegen möchtest, also ob du dich mit dem Auto, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen möchtest. Auch wenn die Streckenplanung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Deutschland bisher kaum direkt funktioniert, bietet dir die Karten-App hiermit eine Schnittstelle zu Anwendungen, die für dich Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ermitteln wie zum Beispiel Mutti oder DB-Navigator, die wir in einer weiteren Lektion vorstellen. Auf diese Weise, brauchst du in diesen Apps, die Wegpunkte nicht mehr umständliche eintragen.


Die Karten-App von Apple bietet den Vorteil der guten Anbindung an Siri. Leider ist die Navigation hiermit für die Fußwege nicht besonders gut zu gebrauchen. Außerdem bietet sie weniger zusätzliche Funktionen wie zum Beispiel Google Maps.

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Google Maps

Die Karten-App von Google ist die vielleicht prominenteste Karten-App. Für das Auto hat sie mittlerweile vielen Navigationsgeräten den Rang abgelaufen, auch weil sie aktuelle Informationen zum Verkehrsaufkommen und alternative Routen anbietet.


Die große Stärke von Google Maps ist die Menge an Informationen, die Google zu einzelnen Orten hat. Möchte man zum Beispiel ein Restaurant in der Nähe finden, kann man die Suche mit dem Stichwort Restaurant benutzen und erhält anschließend eine Liste mit Restaurants in der näheren Umgebung und zusätzlich (wenn vorhanden) Bewertungen von Gästen, die Entfernung, Öffnungszeiten und weiterführende Informationen wie die Telefonnummer, Speisekarten oder Zeiten, an denen dort ein großer Andrang herrscht.


Leider funktioniert die Suche per Sprache zurzeit noch nicht so komfortabel über Spracheingabe. Es gibt zwar eine Schaltfläche, mit der du die Sprachsuche aktivieren kannst. Leider kommt einem hier schnell die Sprachausgabe von VoiceOver in die Quere. Ein anderer Weg ist es, zusätzlich die App "Google Home" zu installieren. Damit kannst du den digitalen Sprachassistenten von Google nutzen, der mit Google Maps verknüpft ist. Alles in allem kommt es aber nicht an die bequeme Art von Siri heran. Da es mittlerweile möglich ist, dass Siri auch Funktionen von Apps von Drittanbietern steuert, hoffen wir, dass die Funktionen von Google auch bald mit Siri nutzbar sind. Allerdings hat Apple wenig Interesse daran, ein Konkurrenzprodukt zu fördern.

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ViaOpta Nav

ViaOpta Nav wurde von Novartis speziell für sehbehinderte Anwender entwickelt. Daraus ergeben sich die größten Vorteile dieser Navigationsapp. Das Design der Benutzeroberfläche ist auf Menschen mit Sehschwäche ausgelegt. Es gibt große Schaltflächen mit großen kontraststarken Symbolen. Außerdem ist sie von den Funktionen auf die Bedürfnisse von Sehbehinderten ausgelegt. So wird die Richtung von Zielen nicht in Himmelsrichtungen sondern anhand der Uhrzeitmethapher – "der Ort befindet sich von Ihnen aus auf 9 Uhr" – angesagt.


Besonderer Pluspunkt aus unserer Sicht ist die Liste von interessanten Orten in der näheren Umgebung. Dazu gehst du zunächst in den Bereich "Standort", der am unteren Bereich des Bildschirms auf der Startseite von ViaOpta Nav angezeigt wird. ViaOpta Nav ermittelt dann den aktuellen Standort und gibt dir sogar eine Rückmeldung zur Ungenauigkeit der Standortermittlung. Nun findest du unten rechts eine Schaltfläche, bei der VoiceOver die Rückmeldung gibt, "POIs in deiner Umgebung erkunden". POIs steht dabei für "Points of Interesst", also interessante Orte. Wenn du darauf doppelt tippst, wird dir eine Liste mit verschiedenen Kategorien von Wegmarken ausgegeben. Besonders hilfreich sind dabei die Punkte "öffentliche Verkehrsmittel", worüber Haltestellen ermittelt werden, und "Barrierefreiheit", wohinter sich zum Beispiel Fußgängerüberwege wie Ampeln und Zebrastreifen verbergen. Daneben gibt es aber auch Apotheken, Restaurants oder Geschäfte, die sich in nach Entfernung sortiert anzeigen lassen.


Für eine erste Orientierung ist die App fantastisch. Du erhältst einen schnellen Überblick, welche Optionen du hast und in welcher Richtung die Punke liegen. Auch eigene Wegpunkte lassen sich in der App setzen. Wo die App noch Schwächen hat, ist die Navigationsanweisungen auf der Route. Da ist sie aber leider nicht alleine.

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BlindSquare

BlindSquare ist wahrscheinlich die Navigations-App, mit den meisten und ausgereiftesten Funktionen speziell für Sehbehinderte. Allerdings ist sie mit über 40 Euro auch nicht gerade günstig.


BlindSquare bietet dir Hilfe bei der Navigation zu unbekannten Orten. Die App greift auf den Standort deines iPhones zu und kann dir so Informationen über deine nähere Umgebung ansagen. Zum Beispiel können Geschäfte, interessante Wegpunkte oder Straßenkreuzungen angesagt werden. Besonders hilfreich ist, dass auch eigene Wegpunkte eingegeben werden können. So können zum Beispiel nicht markierte Straßenübergänge erfasst werden. Dadurch dass BlindSquare auch auf den Kompass deines iPhones zugreift, kann es dir einfach zu verstehende Informationen geben, zum Beispiel: die Post befindet sich in 10 Metern auf 11 Uhr. Wenn du an einem Punkt, zu dem es Informationen gibt, angekommen bist, gibt es ein akustisches Signal. Für mehr Informationen hierzu, brauchst du nur dein iPhone zu schütteln.

Da BlindSquare mit GPS-Daten arbeitet, funktioniert es im Freien. Falls in Gebäuden allerdings bestimmte Sender, sogenannte Beacons (englisch für Leuchtfeuer) installiert sind, kann die App auch in Gebäuden Orientierung bieten.


Eine tolle Funktion von BlindSquare ist es, sich Orte simulieren zu lassen. Auf diese Weise kannst du Orte bereits im Kopf erkunden, bevor du dich dorthin auf den Weg machst.


BlindSquare bietet enorm viele Funktionen, benötigt aber damit auch ein wenig Einarbeitungszeit.


In einem kurzen Video aus seinem Sommerurlaub, hat Chris einmal festgehalten, wie er BlindSquare auf dem Campingplatz eingesetzt hat:

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Ampelpilot

Bei Rot bleibe stehen, bei Grün kannst du gehen. Das perfekte Beispiel für die gelungene Umsetzung von barrierefreien Apps. Keine Tasten, die noch gedrückt werden müssen, keine Wischgesten mit Voice Over: Einfach nur öffnen und in Richtung der Ampel halten. Schon wird dir gesagt, ob du warten sollst oder losgehen kannst. Besonders hilfreich dabei ist, dass die Vibration wie bei taktilen Ampeln so eingestellt ist, dass bei grün ein dauerhaftes Vibrieren zu spüren ist.


Auch wenn die App in unseren Versuchen bisher rundherum überzeugt, solltest du dich wie bei allen technischen Lösungen nicht blind darauf verlassen. Also bitte auch hier den gesunden Menschenverstand nicht am App-Store abgeben.

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Links, Material und weiterführende Infos

Google Maps herunterladen.

ViaOpta Nav herunterladen.

BlindSquare herunterladen.

Ampelpilot herunterladen.

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