Wie mir das iPhone unterwegs hilft, wenn ich mich auf meine Augen nicht verlassen kann.

Ich brauche meine Routinen. Nein, ich meine jetzt nicht das morgentliche Duschen und Zähneputzen. Ich rede hier vom Bewegen auf möglichst immer den selben Wegen. Ich kenne meine gewohnten Strecken. Ich weiß, wann ich die Straße überqueren muss, weil ich jetzt an der zweiten Bordsteinkantenabsenkung bin. So komme ich dorthin, wohin ich will. Und ich weiß, wo ich bin. Das gibt mir Sicherheit. Diese gefühlte Sicherheit ist mir sehr wichtig. Nur so kann ich in einem Tempo gehen, das mir Spaß macht.

Chris Sander von Audiofaktur

Chris ist sehbehindert (Retinitis pigmentosa) und setzt unterwegs auf sein iPhone.

Plötzliche Veränderungen auf meinen Wegen stellen mich hingegen vor große Herausforderungen. Das kann schon der Ausfall der akustischen Unterstützung an einer Ampel sein. Manchmal sind es aber auch betriebs- oder wetterbedingte Veränderungen der Fahrpläne bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Meistens helfen mir zwar nette Menschen. Aber was ist, wenn mal niemand da ist? Irgendwie muss ich doch nach Hause kommen. 

Ich bin dann immer froh, mein iPhone dabei zu haben. Bei der Ampel verrät es mir zum Beispiel, wann sie grün ist. Schon allein die Tatsache, das kaum ein Dorf oder eine Stadt sämtliche Ampeln mit (funktionierenden) akustischen Signalgebern ausgestattet hat, lässt mein iPhone zum wichtigen Begleiter werden und mich ganz neue Wege gehen. Das meine ich jetzt mal wortwörtlich.

Wie unterschiedlich sich 15 Minuten an einer Bushaltestelle anfühlen können, zeige ich mal am folgenden Beispiel: Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich drehe meinen Kopf in ihre Richtung. Ich habe die Augen geschlossen und genieße das Zwitschern der Vögel. Die Morgenluft schmeckt nach Sommer. Jetzt die selbe Haltestelle, zur selben Uhrzeit nur eine Woche vorher: Es schüttet aus vollen Kannen, der Regen peitscht mir ins Gesicht. Ein böiger Wind zerrt an mir herum. Kein schützendes Häuschen weit und breit.  Beiläufig erfahre ich, dass der Bus angeblich 10 Minuten Verspätung hat. Bis vor ein paar Jahren ist mir sowas leider häufiger passiert. Was habe ich dann geflucht und ich hätte mir gewünscht es vorher gewusst zu haben und 10 Minuten später von zu Hause losgegangen zu sein.

Jetzt weiß ich, wann mein Bus kommt. Und das nicht nur fahrplanmäßig. Ich habe meine Lektion gelernt und überprüfe mindestens bei miesen Wetter die exakte Ankunftszeit vom Bus mit meinem iPhone.

Und dann bin ich im Bus und die automatische Haltestellenansage ist mal wieder defekt oder zu leise. Zugegeben, eine lösbare Herausforderung, wenn ich fremde Menschen anspreche. Für einige aber vielleicht schon wieder eine Barriere. Mit dem iPhone bekomme ich die kommenden Haltestellen mittlerweile in mein Ohr geflüstert und das sogar so früh, dass ich entspannt meine Klamotten zusammen packen kann, wenn meine Haltestelle angesagt wird.

Dieser nützliche Service stört mich zwar hin und wieder beim Hören der neuesten Podcasts oder meines spannenden Hörbuchs. Denn die laufen ebenfalls über mein iPhone. Doch die ein oder andere Unterbrechung nehme ich gerne in Kauf, wenn ich so meinen Ausstieg nicht verpasse.

Auch bei der Bahnfahrt hilft mir das iPhone. Denn wie man munkelt, haben ja auch die Bahnen hin und wieder Verspätungen. Aber nicht nur das. Auch ein spontaner Gleiswechsel ist keine Seltenheit. Und jeder, der schon einmal die Durchsage gehört hat, dass sein einfahrender Zug von einem anderen Gleis fährt, weiß dass das eine Situation ist, in der du nur verlieren kannst. Entweder du verpasst deinen Zug oder du erreichst ihn mit einer Menge Stresshormone im Körper. Ich habe aus aus meinen Erfahrungen meine Lehren gezogen und behalte auch hier sogar meine bekannten Wege im Blick.

Noch relevanter wird mein iPhone auf unbekannten Wegen. Hier kann es mir gleich doppelt helfen. Einmal bequem vom Sofa aus. Denn hier kann ich die neuen Orte schon einmal virtuell simulieren. So weiß ich zum Beispiel, dass in unmittelbarer Nähe meiner Ferienwohnung ein Supermarkt ist und in Gedanken kann ich mir den Weg bereits vorstellen. Ein zweites Mal hilft mir dann mein iPhone vor Ort, wenn ich zielstrebig zu dem Supermarkt gehe. Hier spielt es dann seine Stärken bei der Navigation und Standortbestimmung aus.

Chris unterwegs

Das wichtigste Hilfsmittel unterwegs ist für Chris der Langstock – und gleich danach kommt sein iPhone.

Ich finde es immer wieder verrückt und muss  schmunzeln, wenn ich als Tourist Einheimischen sagen darf, wieviel Minuten der Bus Verspätung hat oder dass gleich hier um die Ecke ein sehr gut bewertetes Restaurant ist. Schon toll, ein so kompetentes Hilfsmittel einfach in seiner Hosentasche zu haben.

Wie ist es mit dir? Wobei hilft dir das iPhone unterwegs? Und wo hast du unterwegs Schwierigkeiten, bei denen dir auch das iPhone nicht helfen kann? Schreibe uns deine Erfahrungen gerne unten in das Kommentarfeld oder auch per E-Mail.

Wenn du dein iPhone noch nicht unterwegs einsetzt, aber einmal die Möglichkeiten im Praxiseinsatz mit Hilfe von Chris lernen möchtest, dann besuch doch unser Training. 

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